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Der Beat-Poet

Billy Davis

// DJ

Er breakte als junger B-Boy schon mal im Altersheim für Pommes und Cola, machte als DJ die Turntables zu seinem Instrument und brilliert heute locker als Produzent von internationalen Spitzenkünstlern aus dem Bereich Hip-Hop, Gospel und Soul. Das Gründungsmitglied Billy Davis ist ein brodelnder Vulkan aus Talent und Temperament, der trotzdem gern auch mal im Hintergrund flackert, bevor er auf der Bühne ausbricht. Dabei begreift der Beat-Poet seine Gaben als Geschenk Gottes – und widmet ihm jede Silbe, jede Note in der Musik.

Klare Kante: Billy Davis ist nicht der Typ, der sich sonderlich verstellt. Er donnert los. In lupenreinem Monnemerisch. Manchmal schallen seine Sätze wie Ohrfeigen. Manchmal nimmt er sich vornehm zurück. In den letzten Jahren liebäugelt er mehr und mehr mit der Rolle des „Professor X“ in der Band. In Gedanken bewegt er sich frei. Dennoch versucht er aktiv mitzuhelfen, den Laden zusammenzuhalten.

In der Plattensammlung seiner Mom (weit über 2000 Singles) findet er früh eine musikalische Heimat. Die in Mannheim stationierten GIs versorgen ihn mit neuesten US-Streifen. „Wir haben in Kleinamerika gelebt“, erzählt er. Davis geht damals mit den Jungs raus, legt Pappe auf den Boden und fängt an zu breaken.

Später eignet er sich die Kunst des Turntablelism an und scratcht. Das ist sein Ding: „Du kannst einen Song in eine komplett andere Richtung drehen. Du bestimmst die Länge. Die Zusammenhänge.“ Er sammelt begierig neue Sounds und baut sich Klangwelten auf. Hier die Stimme eines Taxifahrers, dort Vibes der Straße und immer wieder Frauenvocals. „Weil ich ein verkappter Sänger bin!“ Billy Davis flunkert.

In den letzten Jahren glänzt er zunehmend als Produzent und arbeitet neben den Söhnen Mannheims zusammen mit Xavier Naidoo, RZA, Scratch von The Roots oder Queen Esther. Die Grandmother des Gospels pickt einen Song für eines ihrer Alben. Sie findet ihn schön und zeitlos. Für Billy ein treffendes Kompliment. „Denn das war die Intention. Der Song war zu dem Zeitpunkt zehn Jahre alt. Ich will zeitlose Songs machen, die Menschen berühren.“

Aus seinem Werdegang macht er keinen Hehl: „Ich sehe mein Talent als Geschenk Gottes. Ich habe so spät angefangen. Ich konnte nach zwei, drei Jahren Songs arrangieren. Ich habe schnell geschnallt, wie das mit dem Produzieren geht. Hatte Glück, mit echt guten Leuten zu arbeiten. Und noch mehr Glück, dass meine Arbeit diesen Leuten auch gefällt! Wenn ich Gott in mir trage, gebe ich ein gutes Gefühl auf Band.“

Weiterhin sieht er die Aufgabe eines guten Musikers darin, mit dem Finger auf Missstände zu zeigen. „Sonst singst du ja nur über Partys, Haare machen und all den Scheiß!“ Weitere Kostproben: Verglichen mit einem Auto – welche Geschwindigkeit haben die Söhne Mannheims auf dem neuen Album? „Perfekte Reisegeschwindigkeit! Nicht zu schnell, nicht zu langsam. Niemand muss kotzen.“ Zack. Ehrlich. Anpackend. Großes Herz. So isser, der Billy.

Billy Davis
Billy Davis